Projekte

Forschungsprojekte

Zwischen 1750 und 1914 entwickelte sich Stuttgart von einer Residenzstadt zu einer modernen Großstadt. Die Pläne und Zeichnungen, die diese Entwicklung dokumentieren, werden heute in unterschiedlichen Sammlungen und Archiven im Stuttgarter Raum aufbewahrt und sind trotz ihrer inhaltlichen Überschneidungen nicht miteinander vernetzt.
Langfristiges Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die digitalisierten Bestände online und frei zugänglich zu publizieren und sie einerseits der Forschung zur Verfügung zu stellen und andererseits auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Dazu wird in einer ersten Projektphase ein Digitalisierungskonzept für die bedeutenden Sammlungen des Instituts für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart, des Landesmuseums Württemberg, der Universitätsbibliothek Stuttgart, der grafischen Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart, des Stadtarchivs Stuttgart, des Stadtmuseums Ludwigsburg, des Stadtarchivs Backnang und des Universitätsarchivs Stuttgart erstellt.
Als Projektpartner des Instituts für Architekturgeschichte stellt die Universitätsbibliothek Stuttgart ihr etabliertes Scan-Work-Flow-System zu Verfügung.

Laufzeit: 12/2016 – 8/2017
Mittelherkunft: BMBF
Projektleitung: Prof. Dr. phil. habil. Klaus Jan Philipp
Projektkoordination: Hanna Arens M.Sc.

 

Pressemitteilungen

Universität Stuttgart – Hochschulkommunikation
Reutlinger General-Anzeiger
Schwäbische Post

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Quelle: Archiv des Instituts für Architekturgeschichte, Universität Stuttgart
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Auswertung relevanter Fachzeitschriften, der Fachliteratur sowie einschlägiger Internetdatenbanken in der Bundesrepublik Deutschland ab dem Jahr 2010 hinsichtlich von Beiträgen zum Umgang mit Kulturdenkmalen der 1960er und 1970er Jahre. Verschlagwortung relevanter Passagen der erhobenen Artikel. Erfassung unterschiedlicher in den Artikeln behandelter Themen zur Vorbereitung eines Schlagwortkatalogs. Auswertung der erhobenen Literatur hinsichtlich der Schlagworte, inkl. kurzer schriftlicher Zusammenfassung. Erstellung eines Themenkatalogs mit mehreren Ordnungskategorien (z.B. Baustoffe und-weisen; Grundrisse; stadträumliche Strukturen; Bautypen etc.) inkl. Zuordnung der recherchierten Artikel anhand des Schlagwortkatalogs.

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Jan Philipp
Projektbearbeiter: Dr.-Ing. Jan Lubitz, Christiane Fülscher M.A., Dr. Simon Paulus, Dr. Dietlinde Schmitt-Vollmer

Auftraggeber: Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege, Referat 86 – Denkmalpflege, Esslingen am Neckar

Projektdauer: Juli 2015 bis Mai 2016

Zusammenfassung der Ergebnisse

In mehrfacher Hinsicht zählt Joseph von Egle zu den faszinierendsten Gestalten unter den Kunstschaffenden in einer Epoche, die zwischen aristokratischem Auftreten und bürgerlichem Selbstbewusstsein changiert. Egle entstammt einfachsten oberschwäbisch-bäuerlichen Verhältnissen; geboren wurde er am 23. November 1818 in Dellmensingen bei Laupheim, südlich von Ulm. Durch sein Zeichentalent wurde man auf ihn aufmerksam. Er studierte an den Akademien in Wien und Berlin, dort unter den bedeutenden Lehrern Bötticher und Strack. Von 1842 bis 1847 war er Korrespondent der in Wien herausgegebenen, für die Architektur dieser Zeit ungemein wichtigen „Allgemeinen Bauzeitung“. Er bereiste Norddeutschland und England im Auftrag der Zeitung, bevor er 1847/48 eine ausgedehnte Reise nach Paris und durch Italien unternahm und seinen Wissenshorizont erweiterte. Nachdem er sich in Stuttgart niederließ, begann seine steile Karriere.

1848 wurde er zum Direktor der Stuttgarter Baugewerkeschule ernannt, die er bis zu seinem Tode leitete. 1850 erfolgte die Berufung zum Professor am Polytechnikum und er trug nun den Titel eines Oberbaurats. 1857 avancierte er zum württembergischen Hofbaumeister und diente bis zu seinem Lebensende den Königen Wilhelm I., Karl und Wilhelm II. Zu seinen bedeutenden Leistungen für den Hof zählen u.a. die Appartements des Königspaares Karl und Olga im Neuen Schloss in Stuttgart und die sogenannte Kleine Villa im Park Berg für Großfürstin Wera. Neben diese Bauten treten unausgeführte Entwürfe für Schlösser am Bodensee. Von 1886 bis 1892 war er Vorstand der Bau- und Gartendirektion mit dem Titel Hofbaudirektor.

Durch seinen katholischen Glauben wurde Egle zu einem der bedeutendsten Kirchenbaumeister des Königreichs. Als katholischer Kirchenarchitekt musste er sich im protestantisch geprägten Württemberg positionieren und in den Zeiten des von Bismarck betriebenen Kulturkampfs behaupten. Kleine Projekte zeugen genauso wie das Großprojekt St. Maria in Stuttgart von seinem enormen historischen Wissen und seiner Kunstfertigkeit auch auf diesem Gebiet. Zudem erregten seine Kirchenrestaurierungen – er war seit 1855 Beirat der Ulmer Münsterbaukommission – bei den Zeitgenossen großes Aufsehen.
Auch das Land trat an Egle heran, um wichtige Staatsbauten durch ihn errichten zu lassen. Das Polytechnikum und die Baugewerkeschule – beide am Stuttgarter Stadtgarten gelegen – waren Großbauten für das Schulwesen, wie man sie bisher im Königreich Württemberg nicht gekannt hatte.

Hinzu kamen etliche bedeutende Villen und Häuser für das Bürgertum. Die Villa Knosp (Rotebühlstraße) zählt bis heute zu den wichtigsten Gebäuden dieses „Genres“ in Stuttgart.

Nachlaß
Der zeichnerische Nachlass Joseph von Egles galt bislang als verschollen. Jedoch hat er sich in Schweizer Privatbesitz erhalten. Egles Tochter hatte sich in die Schweiz verheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Nach dem Tod ihres Mannes verarmte die Tochter und sie lebte als „Kostgängerin“ bei einer schweizerischen Architektenfamilie. Dieser überließ sie den zeichnerischen Nachlass ihres Vaters als Zeichen ihrer Dankbarkeit. Die Architektenfamilie, deren Büro heute in der fünften Generation arbeitet, bewahrt den Nachlass geordnet in Mappen auf. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass der Nachlass Joseph von Egles wegen der hohen Qualität der Zeichnungen und der Besonderheit des Bestandes in den einschlägigen Kunsthandel geraten könnte.

Der Nachlass umfasst Zeichnungen verschiedenster Art: Egle war ein begnadeter Zeichner, von höchster Qualität sind seine Studienzeichnungen (Akte, Porträts, Baumstudien) aus seiner Ausbildungszeit. Seine zahlreichen Reiseskizzenaus Norddeutschland, England, Paris, Italien, Rom präsentieren ihn als einen aufmerksamen Beobachter von panoramatischen Überblicken bis hin zum minutiös aufgenommenen Detail von Bauten aller Stile. Die eigentlichen Architekturzeichnungen Egles seiner Bauten in Stuttgart und Umgebung bewahren diese hohe zeichnerische Qualität und zeigen ihn als einen auf der Höhe seiner Zeit stehenden Architekten, der stilsicher der jeweiligen Bauaufgabe angemessen reagiert und gleichwohl bautechnischen und stilistischen Innovationen aufgeschlossen ist.
Ergänzt wird dieser zeichnerische Bestand durch seltene Großphotographien des Stuttgarter Photographen Friedrich Brandseph (1826–1915), u.a. bauzeitliche Photos der Marienkirche.

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Jan Philipp
Bearbeiter: Michael Wenger

Finanziert durch: Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg
Referat 54 (Medien und Film, Archive und Landesbibliotheken)

Dauer: September 2013 – September 2014

Die Digitalisate sind eingestellt in den Digitalen Sammlungen der Universitätsbibliothek Stuttgart.

Telaviv (c)
Telaviv
Ressortforschungsprojekt des Bundesbauministeriums 2013/2014

Die „Weiße Stadt“ Tel Aviv ist mit rund 4.000 Gebäuden, von denen fast 1.000 unter Denkmalschutz stehen, das weltweit größte zusammenhängende Architekturensemble von Bauten der Moderne und von großer architekturgeschichtlicher und historischer Bedeutung. Die „Weiße Stadt“ ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die „Weiße Stadt“ ist aktuell durch zunehmenden Druck auf dem Immobilienmarkt, nicht ausreichende Bauunterhaltung bzw. -sanierung und geänderte nutzerseitige Anforderungen erheblich gefährdet. Das Bundesbauministerium unterstützt die Stadt Tel Aviv in diesem Zusammenhang beim Aufbau eines Denkmalschutzzentrums. Kern ist der Aufbau eines deutsch-israelischen Kooperationsnetzwerkes. Dieser Prozess wird wissenschaftlich begleitet. Im Fokus dieses Ressortforschungsvorhabens steht neben einer Auseinandersetzung mit Gebäuden in Deutschland und Israel auch die Vermittlung bautechnischer und handwerklicher Kompetenzen für eine denkmalgerechte Sanierung.

Das Institut für Architekturgeschichte (Dr. -Ing. Dietlinde Schmitt-Vollmer) bearbeitete das Forschungsprojekt gemeinsam mit dem Büro für Restaurierungsberatung Bonn / Meitingen und dem Institut für Werkstoffe im Bauwesen, Universität Stuttgart. Denkmalrelevante Fragestellungen, Bauforschung und Themen der energetischen Sanierung konnten in Tel Aviv und in Deutschland erörtert werden.

Die Grundlage der Weißen Stadt Tel Aviv wurde mit dem berühmten Town Planning Scheme des schottischen Biologen und Soziologen Patrick Geddes 1927 gelegt, der eine großzügige Stadterweiterung Tel Avivs als blühende großzügige Gartenstadt vorsah. Die Grundstücke wurden ab 1927-1949 mit modernen Stadtvillen im Sinn des Internationalen Stils eng überbaut.

Die meisten dieser jüdischen Architekten waren in den 1930er und 40er Jahren angesichts zunehmenden Rassismus und Repressalien aus Osteuropa und Deutschland nach Palästina emigriert. Hier wollten sie neben den bestehenden arabischen Städten und Siedlungen ihre mitteleuropäischen Vorstellungen von Wohnbau umsetzen. Viele brachten große baupraktische Erfahrungen und detaillierte Kenntnis des Neuen Bauens in Berlin, Stuttgart, Breslau oder Magdeburg mit.

Andere Architekten waren schon als Teil der Zionistischen Bewegung in Palästina aufgewachsen und absolvierten ihr Architekturstudium an der TU Charlottenburg, in Paris, Gent, Breslau, Rom, London, Wien oder später auch am Bauhaus in Dessau.

Durch das Haávara Abkommen, welches die Transferierung des Vermögens der Emigranten von Deutschland nach Palästina reglementierte, wurde der Import deutscher Fabrikate, Produkte, Baumaterialien, Maschinen und in das britische Mandatsgebiet forciert. Schon zuvor war auch durch die aus der Gegend von Korntal stammenden pietistischen Templer eine rege „schwäbische Bauindustrie“ entstanden. Auch diese Templer wandten sich zunehmend dem Neuen Bauen zu.

Sehr komplex und an vielen Stellen sichtbar sind allein daher die historischen, bautechnischen und formalen Verknüpfungen zwischen der Architektur in Tel Aviv und den baulichen Zeugnissen vieler Regionen Deutschlands, des Werkbundes und des Neuen Bauens. Noch heute stammen viele Begriffe aus dem Baubereich aus dem Deutschen.

Die Ergebnisse des interdisziplinären begleitenden Ressortforschungsprojektes sollen 2014/2015 publiziert werden.

In dem Projektauftrag sollte ein Überblick über staatliche Universitäts- und Hochschulbauten von 1960 bis 1980 im Regierungsbezirk Stuttgart erarbeitet werden. Ziel des ersten Abschnitts war es, realisierte charakteristische Anlagen und Einzelbauwerke in Baden-Württemberg zu benennen und bauhistorisch einzuordnen. Zu berücksichtigen waren die zu einer Universität oder Hochschule (u.a. Pädagogische Hochschule, Musikhochschule) gehörenden Einrichtungen und Bautypen (Lehr- und Forschungsinstitute, Bibliotheken, Hörsäle, Mensen, Studentenwohnheime). Zu beachten war auch der städtebauliche Kontext sowie die Beteiligung bedeutender Architekten.
Der zweite Abschnitt legte den Fokus auf die Bauten im Regierungsbezirk Stuttgart. Diese waren vertiefend und bauhistorisch vergleichend zu betrachten. Die Ergebnisse sollen der denkmalfachlichen Bewertung als Grundlage dienen.
Grundlegend für den ersten Abschnitt war die Erarbeitung eines knappen Überblicks über Universitäts- und Hochschulbauten von 1960 bis 1980 in Baden-Württemberg durch eine umfassende Literaturrecherche. Sie beinhaltete im Einzelnen
– das Erstellen einer Bibliographie von zeitgenössischer Literatur und Sekundärliteratur
– das Herausarbeiten hochschulpolitischer Ziele und Modelle und ihr Bezug zur Architektur.
– eine Schriftliche Zusammenfassung der charakteristischen und prägenden Einflussfaktoren auf den Universitäts- und Hochschulbau von 1960 bis 1980.
– das Erstellen einer Liste der richtungsweisenden realisierten Universitäts- und Hochschulbauten von 1960 bis 1980 mit Literaturverweisen, das Herausstellen der bauhistorisch qualitätvollsten Bauten unter Einbindung der bereits erkannten Kulturdenkmale.

Ziel des zweiten Abschnittes war es, die Universitäts- und Hochschulbauten der 1960er bis 1980er Jahre im Regierungsbezirk Stuttgart vergleichend und vertiefend zu betrachten.
– Bauhistorische Bewertung der Universitäts- und Hochschulbauten im Regierungsbezirk Stuttgart in Datenblättern durch Auswerten von zeitgenössischer Literatur und Sekundärliteratur. Die Datenblätter enthalten u. a. Informationen zu Bauherr, Architekt, Konstruktionsweise, Materialien, Grundrissorganisation etc. sowie eine vergleichende und wertende bauhistorische Kurzbeschreibung der einzelnen Bauten.

Projektleiter: Prof. Dr. Klaus Jan Philipp
Projektbearbeiter: Dr. Christian Vöhringer
Auftraggeber: Landesamt für Denkmalpflege (LAD), Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 86 – Denkmalpflege, Esslingen am Neckar
Dauer: Juni bis Dezember 2013

Ergebnisse

Abb.: Neues Lusthaus Stuttgart, gez. v. Carl Friedrich Beisbarth,<br />nach Originalzeichnung, verwahrt in der Universitätsbibliothek Stuttgart (c)
Abb.: Neues Lusthaus Stuttgart, gez. v. Carl Friedrich Beisbarth,
nach Originalzeichnung, verwahrt in der Universitätsbibliothek Stuttgart

gefördert durch die Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg

Das einem Brand zum Opfer gefallene Neue Lusthaus (1580-1593) in Stuttgart gehörte zu den bedeutendsten Profanbauten der Renaissance in Deutschland. In einem neuen Projekt erforschen und digitalisieren Wissenschaftler am Institut für Architekturgeschichte der Universität Stuttgart nun umfassende Planzeichnungen des Architekten Carl Friedrich Beisbarth aus dem 19. Jahrhundert. Das Forschungsvorhaben ist eines von sieben Projekten, das 2012 von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg mit mehr als 14.000 Euro gefördert wird.

Noch schlummern die Zeichnungen zum Neuen Lusthaus in der Universitätsbibliothek Stuttgart: Sie sind größtenteils in zehn Bänden zu je 18 bis 30 Blättern gebunden. Auf den durchnummerierten Blättern hat Carl Friedrich Beisbarth viele Details der Ausstattung, der Fundamentierung, der Baukonstruktion, des Dachwerks und einzelner technischer Bauteile des Lusthauses festgehalten. Die Blätter hat der Architekt in einem handschriftlichen Katalog teilweise mit erläuternden Skizzen dokumentiert. Um die Originalblätter zu schonen, werden die Stuttgarter Forscher sie katalogisieren und in hoher Auflösung einscannen. Das erlaubt ihnen, Beisbarths Zeichnungen den Architekturzeichnungen anderer Sammlungen sowie den historischen Fotos von Fragmenten des Lusthauses gegenüberzustellen. Die digitalisierten Zeichnungen sowie weitere Daten zu dem Neuen Lusthaus können später alle Interessierten in dem öffentlich zugänglichen Portal zu Bibliotheken, Archiven und Museen (www.bam-portal.de) einsehen.

Abb.: Rekonstruktion des Chores der Abteikirche Saint-Gilles von G. Bourges.<br />Aus: P.-E. d’Everlange, Histoire de Saint Gilles, Avignon 1885 (10. Auflage) (c)
Abb.: Rekonstruktion des Chores der Abteikirche Saint-Gilles von G. Bourges.
Aus: P.-E. d’Everlange, Histoire de Saint Gilles, Avignon 1885 (10. Auflage)

Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Agence Nationale de la Recherche

 

Im Rahmen des Projektes soll eine vollständige Bauaufnahme der Abtei mit begleitender Archivforschung die Grundlagen für eine chronologische Bauuntersuchung von den Anfängen bis zur Gegenwart bilden. Mit Ausnahme der neuen Arbeit Heike Hansens zur Westfassade der Abteikirche liegt bisher noch keine bauforscherische Analyse der bedeutenden Anlage vor, die zwar in allen Standardwerken als ein Hauptwerk der französischen Romanik genannt wird, jedoch von der bisherigen, im Wesentlichen auf die Fassade beschränkten Forschung unberücksichtigt geblieben ist. Die kürzlich der Stadt übereigneten, noch unbekannten Klausurgebäude sind wesentlicher Bestandteil des Vorhabens. Die geplanten Grabungen, die vom Laboratoire d’Archéologie Médiévale Méditerranéenne (LAMM) der Université de Provence Aix-Marseille als Projektpartner durchgeführt werden sollen, erfolgen im Rahmen einer Zusammenarbeit mit dem Institut für Architekturgeschichte (ifag), die 2006 in der Kartause Valbonne (Gard) begonnen hat und die die Kompetenzbereiche beider Institute miteinander verbindet, insbesondere den Einsatz digitalisierter Lasertechnik (ifag), die Bauanalyse (LAMM) und die Grabungsarchäologie (LAMM), die 2004 bereits in Saint-Gilles zum Einsatz kam. Das gemeinsame Forschungsvorhaben umfasst eine Vielzahl neuer Themenbereiche wie die Architekturform, die Rekonstruktion des Baugesamten, die architekturhistorische Stellung und Bedeutung des Kirchenbaus in der Architekturgeschichte sowie die Art der vom 12. – 20. Jh. aufgetretenen Störungen und Umbauten, deren Kenntnis auch für die Vorplanung der zukünftigen Sanierung des Klausurbereichs wichtig ist.

Das Potential dieses Vorhabens liegt in der Synthese der unterschiedlichen Disziplinen, einer dicht am Baubefund orientierten praxisnahen Herangehensweise einerseits und einem spezialisierten, kunsthistorischen und bauarchäologischen Kenntnisstand andererseits. Als hochbedeutendes, doch kaum erforschtes Hauptwerk des romanischen Kirchenbaus bietet die Abtei Saint-Gilles ein besonders herausragendes Objekt für eine Ausweitung dieser fruchtbaren Partnerschaft zwischen den beiden Instituten.

Kontakt:
Dr.-Ing. Heike Hansen (hansen.heike@gmx.de)

Publikation

Auswertung relevanter Fachzeitschriften und einschlägiger Internetdatenbanken zur Erfassung von ca. 50 Bauten (1960–1979; Kernzeitraum 1965–1975); vergleichende und vertiefende Betrachtung einer Auswahl von Verwaltungsbauten (ca. 25) (weitere Literaturrecherchen; Sichtung von Archivalien) und vergleichende und bauhistorisch wertende Kurzbeschreibung der ausgewählten Bauten sowie Würdigung des/der Architekt/en.

Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Jan Philipp
Projektbearbeiter: Dr. phil. Christian Vöhringer

Auftraggeber: Regierungspräsidium Stuttgart, Landesamt für Denkmalpflege, Referat 86 – Denkmalpflege, Esslingen am Neckar

Projektdauer: Oktober 2010 – Dezember 2010

Die Ergebnisse der Studien wurden u.a. publiziert in:
Beton, Glas und Büffelleder. Verwalten in Denkmalen der 1960er und 1970er Jahre im Regierungsbezirk Stuttgart (Arbeitsheft 30, Landesamt für Denkmalpflege), Darmstadt 2014 (erschienen im Januar 2015); darin S. 11–28: Klaus Jan Philipp und Christian Vöhringer, Verwaltungsbauten und Rathäuser der 1960er und 1970er Jahre

3d-Modell: Dipl.-Ing. Götz Echtenacher (c)
3d-Modell: Dipl.-Ing. Götz Echtenacher

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) förderte zwischen 2003 und 2005 ein bauarchäologisches Forschungsprojekt des Instituts für Architekturgeschichte an der gotischen Kathedrale in Auxerre. Es handelte sich um ein so genanntes verformungsgerechtes Bauaufmaß und dessen bauarchäologische Analyse zur Entschlüsselung der Bauchronologie der insgesamt fünf Portale der Kathedrale.

Einer der Grundgedanken des Projektes war es, der notwendigen Restaurierung der Kathedrale bewusst vorzugreifen, um auf besonders wertvolle Befunde und restauratorische Problemstellungen hinzuweisen. Wichtigstes Forschungsergebnis war eine Chronologie der fünf Portale, die unmittelbar an die restauratorische Vorprogrammierung und anschließende konservatorischen Maßnahmen gekoppelt war. Untersuchungen der größtenteils mittelalterlichen Dachwerke in Hinblick auf ihre bautechnische Entwicklung und bauliche Abfolge haben ebenfalls zum Verständnis der Portalchronologie beigetragen.

Das internationale und interdisziplinäre Forscherteam, welches sich aus einer Forschungsgruppe von Architekten, Archäologen, Bauforschern, Geologen und Kunsthistorikern zusammensetzte, arbeitete in Kooperation mit dem dem Centre d’études médiévales (CNRS) zusammen. Die Ergebnisse der Forschungskampagne wurden in der Bauwelt 40-41/2005 veröffentlicht. Von 27. bis 29. September 2007 wurden in Auxerre im Rahmen des Kolloquiums „La cathédrale St. Etienne d’Auxerre“ die Ergebnisse der Arbeiten des Instituts für Architekturgeschichte von Prof. Dr. phil. Dieter Kimpel, Dipl.-Ing. Heike Hansen und Dipl.-Ing. Götz Echtenacher vorgestellt.

Kontakt

o. Prof. em. Dr. Dieter Kimpel
Dr.-Ing. Heike Hansen (hansen.heike@gmx.de)
Dipl.-Ing. Götz Echtenacher (buero@echtenacher.de)

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