Im Rahmen des Masterstudiums bietet das Institut die Möglichkeit in Seminaren oder als umfangreichere praktische oder wissenschaftliche Projektarbeit (15 LP) architekturhistorische, bautechnikhistorische oder denkmalpflegerische Interessen zu vertiefen.
Die Betreuung freier Projektarbeiten oder wissenschaftlicher Masterarbeiten sind nach Absprache mit Lehrpersonen unseres Instituts möglich.
Wintersemester 26/27
Lehrperson(en): Ulrike Plate, Maria Saum
Was ist warum ein Denkmal? Und warum gehen wir wie damit um? Wieso ist Denkmalpflege eine staatliche Aufgabe? Was sind ihre Ziele, was können wir von ihr erwarten? Was hat das mit uns zu tun? Welchen Beitrag kann Denkmalpflege in einer sich verändernden Welt liefern? Was hat sie mit Baukultur, Umweltschutz und Nachhaltigkeit zu tun? Und wie funktioniert das eigentlich: Denkmale pflegen? Wie bereiten wir als Architekt*innen eine Maßnahme vor, welche Besonderheiten sind zu berücksichtigen?
Diesen und weiteren Fragen nähern wir uns im Seminar von verschiedenen Seiten. Es geht um die Entwicklung des Denkmalbegriffs, um wichtige Manifeste der Denkmalpflege, aber auch um rechtliche und organisatorische Themen. Das Erkennen eines Gebäudes in seiner Konstruktion, Funktion und Bedeutung ist der ideale Ausgangspunkt für Architekt*innen, um es zu reparieren oder umzubauen. Wie erforsche ich ein Denkmal? Welche Methoden gibt es dafür? Welche besonderen Genehmigungen sind zu beachten, welche Fördermittel gibt es? Wie kann der konkrete Umgang mit einem Baudenkmal aussehen? Viele Fragen rund um die Denkmalpflege werden gemeinsam erarbeitet und besprochen.
Lehrperson(en): Prof. Christiane Weber
Im Seminar können selbst gewählte Forschungsvorhaben aus dem Bereichen Architekturgeschichte, Bautechnikgeschichte oder Bauforschung eigenständig verfolgt werden. Individuell betreut, werden in gemeinsamen Kolloquien wissenschaftliche Methoden und Medien der Präsentation erprobt und diskutiert.
Das Seminar unterstützt die eigenständige wissenschaftliche Arbeit in Vorbereitung von wissenschaftlichen Aufsätzen, der Masterarbeit oder der Dissertation.
Lehrperson(en): Prof. Christiane Weber, Maria Saum, René Heusler
Die Bauwende führt zu einer einfachen Erkenntnis: Das nachhaltigste Gebäude ist das, das bereits steht – und weitergebaut wird.
Für Architekt*innen ergeben sich daraus zentrale Fragen: Wie lässt sich beurteilen, welches Potenzial ein Bestandsbauwerk noch besitzt? Welche Grundlagen und Informationen sind dafür nötig – und wo sind sie zu finden? Wie gelangt man an verlässliches Planmaterial?
Im Seminar erproben wir zeitgemäße Methoden der Bestandserfassung, unter anderem 3D-Laserscanning, und wenden sie an einem Bestandsbauwerk an. Workshops vor Ort sowie Gastvorträge vermitteln Einblicke in aktuelle Verfahren der Befundung und Dokumentation in der Denkmalpflege. Ziel ist die Vermittlung eines fundierten Überblicks über die Methoden (wie beispielsweise die Erarbeitung eines Gestaltungshandbuchs), die auf den Umgang und die Weiterentwicklung des Baubestands übertragen werden können.
Das Seminar findet in Kooperation mit dem Institut für Ingenieurgeodäsie und dem Institut für Kunst- und Baugeschichte des KIT (Dr. Anette Busse) statt. Bewerber*innen, die am Entwurf Romeo & Julia teilnehmen, haben sicher einen Seminarplatz.
Lehrperson(en): Prof. Christiane Weber, Iris Pfeiffer, Henning Meyer
Im Seminar „TIMETRAVEL – Pavillon für die IBA'27“ soll gemeinsam von den Instituten IBBTE, IEK und IFAG ein temporärer Ausstellungspavillon für die Internationale Bauausstellung 2027 im Stuttgarter Stadtpark bis zur Umsetzungsreife entwickelt werden. Die Studierenden arbeiten dabei von Beginn an interdisziplinär über die Institutsgrenzen hinweg zusammen. Ausgangspunkt bildet die Geschichte der Internationalen Bauausstellung in Stuttgart: Bereits 1927 setzte die Werkbundausstellung neue Maßstäbe für das Bauen ihrer Zeit. Einhundert Jahre später soll diese Fragestellung erneut aufgegriffen und um eine zukünftige Perspektive erweitert werden.
Im Mittelpunkt des Seminars steht die bautechnikhistorische Auseinandersetzung mit den Materialien und Bautechniken der Jahre 1927, 2027 und einer möglichen Zukunft im Jahr 2127. Der Pavillon soll diese drei Zeitebenen räumlich miteinander verknüpfen und als begehbare Zeitreise unterschiedliche Materialien, Konstruktionen und Technologien unmittelbar erfahrbar machen.
Das Seminar erarbeitet die Inhalte für eine Ausstellung im Rahmen der IBA 2027 und entwickelt in Kooperation mit Hennig Meyer (Space4) eine Ausstellungsgestaltung.
Ziel des Seminars ist es, im SoSe 2027 die Ausstellung für den Pavillon gemeinsam mit den beteiligten Instituten und Industriepartnern zu realisieren. Studierende des Wintersemesters erhalten bei Interesse die Möglichkeit, ihre Arbeit im anschließenden Umsetzungsseminar fortzuführen.
Lehrperson(en): Prof. Christiane Weber, René Heusler
Romeo & Julia sind nicht nur die wohl bekannteste Romanze aller Zeiten, sondern auch ein bemerkenswertes Gebäudepaar von Hans Scharoun in Stuttgart Rot bei Zuffenhausen. Scharoun schuf mit ihnen ein außergewöhnliches Ensemble im Stil der 1950er-Jahre, das äußerlich kaum verändert wurde und dessen unkonventionelle Grundrissebene bis heute funktioniert und von vielen Bewohner*innen sehr geschätzt wird. Die denkmalgeschützten Gebäude sind – insbesondere der Romeo – durch veränderte Nutzungsanforderungen, Vernachlässigung und Investitionsaufschub inzwischen teilweise verwahrlost. Die Erdgeschosszone und ihre Einbettung in die umgebenden Freiflächen und Nebengebäude ist durch die Umkehrung der Haupterschließung, neue Nutzungsanforderungen und wenig Kontrolle der Freibereiche durch angrenzende Nutzungen in einem schlechten Zustand.
Schwerpunkt des Entwurfsprojekts bilden die Garagen und Ladenbereiche, die Scharoun als flaches Band Romeo & Julia zu Füßen gelegt hat. Ihre Nutzung und Geste soll kritisch betrachtet werden, bilden sie schließlich die Adresse dieses Wohnorts. Aufenthaltsbereiche von ursprünglich hoher Qualität, wie etwa Waschsalon und Café sollen wiederbelebt und um neue Angebote, wie etwa eine Fahrradgarage ergänzt werden.
Die planerischen Grundlagen in Form von 2D-Plänen und 3D-Modellen für den Entwurf werden parallel im Seminar „Punktwolke“ erarbeitet, für das die Teilnehmer*innen sicher einen Platz erhalten.
Die Bewohner*inneninitiative „Gemeinsam für Romeo und Julia“, die in zwei Erzählcafes mit Prof. Kerstin Gothe im Juli diesen Jahres bereits Ideen für eine Weiterentwicklung der Gebäude gesammelt hat, ist sehr an den Ergebnissen des Entwurfs interessiert.
Geplant ist zudem, die Ergebnisse zu den beiden Scharoun-Bauten während der IBA 2027 in den 50er-Jahre Vitrinen vor Ort auszustellen.
Lehrperson(en): Roman Hillmann
Ornament und akademische Gliederung werden an aktueller Architektur nicht benötigt. Wie aber kann der Rückblick auf deren Gestaltungsmittel die Wahrnehmung von Architektur schärfen? Wie kann Geschichtlichkeit die Andersartigkeit, die Toleranz gegenüber Diversität im Gebauten unterstützen? Kann die Betrachtung alter Architektur die Wertschätzung auch gesellschaftlicher Vielfalt – etwa der Genderdiversität oder der Neurodiversität – stärken? Das Dekorative kann in der Betrachtung schließlich Spaß machen! Das Seminar nutzt das Erlernen, Thematisieren und Problematisieren von Begriffen für historistische Architektur, um das Sehen von Ungewohntem zu eröffnen: Können wir in einer Zeit mit ernsten Fragen den Überschwang des Historismus fruchtbar machen? Wir eröffnen die Vielfalt des Historismus in Stuttgart und auf einer Exkursion nach Magdeburg (?) und Hamburg (!).
Lehrperson(en): Simon Paulus
Architekturzeichnungen sind etwas Besonderes: Auf der einen Seite bilden sie Projekte, Ideen oder konkrete Planungen ab, sind (auch heute noch) unentbehrlicher Teil der Vermittlung zwischen Architekt, Bauherrn und Handwerker und besitzen damit eine hohen dokumentarischen Informationswert. Auf der anderen Seite können sie selbst zum Kunstgegenstand werden und zeugen oftmals vom künstlerischen und handwerklichen Können ihrer Schöpfer. Über die Visualisierung in der Zeichnung werden so neue Konzepte und Methoden, neue Standards und teils revolutionäre neue Ansätze des Bauens auch darstellungstechnisch repräsentiert.
Es ist daher nicht verwunderlich, dass solche Zeichnungen und Unterlagen auch zum gezielten Sammlungsgegenstand von Sammlern – unter ihnen auch Architekten – avancierten. Im Seminar soll dem Medium der Zeichnung als Sammel- und Lehrgegenstand in der Geschichte der Architekturausbildung nachgegangen werden. Im Fokus werden dabei historische Sammlungen in Stuttgart, Göttingen und Hannover stehen. Gemeinsam mit Studierenden der Kunstgeschichte der Universität Göttingen möchten wir die unterschiedlichen Herangehensweisen und Methoden gegenseitig kennen lernen, mit denen unsere Fachdisziplinen jeweils aus ihrer Sicht die Zeichnung betrachten und analysieren.
Im Rahmen des Seminars soll in einem zweitägigen Block in Hannover anhand originaler Bestände des 16.-19. Jahrhunderts der konservatorische Umgang mit dem Medium der Zeichnung und ihre inhaltliche und formale Analyse veranschaulicht und in einer schriftlichen Ausarbeitung vertieft werden. Daher ist die Teilnehmerzahl auf 10 Personen beschränkt.



